Der Kulturschock

Nach 6 wunderbaren Monaten in Neuseeland habe ich vor gut 10 Tagen Neuseeland in Richtung Australien verlassen und bin seitdem in Sydney sesshaft geworden. Nach dem Aufenthalt im kleinen beschaulichen Neuseeland war es ein kleiner Kulturschock in die Weltmetropole Sydney zu kommen: alles ist soviel größer, viel mehr Menschen, viel mehr Streß. Nach einigen Stunden hatte ich mich aber dran gewöhnt und habe angefangen Sydneys schöne Seiten angeguckt. Die üblichen Sachen wie Opera-House und die Harbourbridge wurden gleich am ersten Tag abgefertigt und sind in der Tat sehr beeindruckend. Aber auch die Strände in und rund um Sydney sind wunderschön, einige versteckte Strände hat mir auch schon ein Bekannter von mir gezeigt, den ich über Maia auf seiner Europareise kennen gelernt habe. Dank ihm habe ich auch das erste Mal seit Verlassens Deutschands gegrillt und das erste Mal überhaupt Känguru-Fleisch gegessen, welches ein sehr deftiges Fleisch ist. Leider kann man die Würstchen sowohl in Neuseeland als auch in Australien komplett vergessen, sodass ich mich auf das erste Grillen in Deutschland defintiv freue! Ein Tagesausflug hat mich auch zu den Blue Mountains verschlagen, das liegt ca. 2 Stunden von Sydney entfernt. Den Namen hat das Gebirge wegen des bläulichen Nebels, welcher aufgrund der verdunsteten Eukalyptus-Öle kommt und der Ausblick vom höchsten Punkt auf dieses Gebirge ist einfach atemberaubend und die Bilder, die ich gemacht habe, fallen mal wieder unter die Kategorie: ich scheiß Bild spiegel mal wieder nicht im geringsten wieder, wie geil dieser Ausblick in Wirklichkeit war! Die letzten Tage musste ich leider etwas ruhiger angehen, da unser komplettes Hostelzimmer inkl. mir krank ist/war. Heute geht es dafür aber wieder richtig los und ich werde mir mit Benny China-Town angucken und morgen werde ich das Nachtleben Sydney das zweite Mal testen.

2.8.13 04:23, kommentieren

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Eine Reise neigt sich dem Ende

Meine letzte Woche in Neuseeland neigt sich nun auch dem Ende zu und dort war noch einiges los. Wie schon berichtet haben Age und ich am letzten Samstag das Rugby-Spiel der Auckland-Blues besucht, das Frauenspiel haben wir lieber ausfallen lassen. Dabei haben uns 2 Mädels aus dem Hostel begleitet, die am gleichen Tag wie ich in Neuseeland angekommen waren und mit meinen damaligen Zimmergenossen befreundet sind und mich daher kannten. Außerdem haben sie und ihr Kumpel mich einmal in Blenheim getroffen, sie waren mir aber nicht böse, dass ich mich nicht an sie erinnern konnte, da sie schon beim Treff in Blenheim gemerkt haben, dass ich mehr mit dem gerade gekauften Fußball beschäftigt war, als mit dem Gespräch mit ihnen (Fußball bleibt eben Fußball).

Nachdem das Rugbyspiel zu Ende war, das ehrlich gesagt etwas langweilig war, da im Gegensatz zu europäischen Fußballstadien absolut keine Stimmung da war, trafen wir uns noch mit paar Arbeitskollegen aus Blenheim und feierten quasi den Abschied von allen (mit Ausnahme von mir), da sie alle spätestens am Dienstag Neuseeland verlassen haben. Am Mittwoch machte ich ich deswegen nochmal auf dem Weg zu meinem Lieblingsort auf der Nordinsel, den Bay of Islands. Dort hatte ich an meinem ersten Besuch noch nicht geschafft zum nördlichsten Punkt Neuseelands zu fahren und zu beobachten wie die tasmanische See auf den pazifischen Ozean trifft, das habe ich nun nachgeholt. Ich hätte nie gedacht, das ich mich mal über einen so wunderschönen warmen Tag wie den beschwere, aber da es ziemlich windstill und einfach zu gutes Wetter war, sah man keinen Kampf zwischen den beiden Ozeanen sondern „nur“ das Aufeinandertreffen von ruhigen Wassermassen. Der Ausblick war mal wieder der Hammer, aber das kann ich einfach von ganz Neuseeland (Blenheim ist ne Ausnahme) sagen. Auf der Bustour zum Cape Reinga sind wir noch den 90 Mile-Beach (der tatsächlich nur 45 Meilen lang ist) auf dem Sand langgefahren und sind dort riesige Sandberge mit einer Art Surfbrettern runtergerast, dort hat man defintiv gut Tempo drauf bekommen.
Am nächsten Tag haben mich dann zwei vom Tag vorher überredet, anstatt die Fähre zur nächsten Insel zu nehmen, einfach Kajaks zu mieten und rüber zu paddeln. Nach meiner letzter Kanuerfahrung (nochmal herzlichsten Dank Lennart ;-) ) habe ich ja schlechte Erfahrung mit Paddeln auf dem Wasser, aber ich habe mich breit schlagen lassen. Kurzer Hand habe ich noch meine Zimmergenossin mitgenommen, damit wir uns zwei 2-er Kajaks mieten können und ich war noch nicht mal im Wasser, da wusste ich, dass es sich gelohnt hat und es nur ein riesen Spaß werden kann: Die Besatzung des anderen Kajaks war vor uns im Wasser und brauchte keine 10 Sekunden um das erste Mal umzufallen, sich dabei das Paddel ins Gesicht zu hauen und komplett naß zu werden. Das war ein perfekter Einstieg, aber danach ist es sehr ruhig geblieben und wir sind ohne weitere Probleme auf die andere Insel gekommen und haben dort entspannt ein paar Stunden verbracht. Nun bin ich wieder in Auckland gelandet, da ich ab Montag noch paar Wochen in Australien verbringen werde, mal gucken wie das wird...

1 Kommentar 21.7.13 10:17, kommentieren

Reisen, Reisen, Reisen

In Neuseeland ist eine Menge los! Die Nordinsel hat mich wieder und ich reise wieder auf der, habe sehr schöne Plätze gesehen, in heißen Quellen gebadet und geraftet. Das Rafting war hierbei das Highlight, es hat einfach gebockt durch die Stromschnellen zu fahren und sich die schöne Landschaft dabei anzugucken.

Nun bin ich für ein paar Tage in Auckland und hab Age und Sevi hier getroffen, um ein Rugbygame zu sehen. Der Plan war eigentlich nur zu dem Rugbygame der Auckland Blues, dem hier ortsansäßigen Männerteam, zu gehen, doch gestern erzählte uns einer im Hostel, dass vor dem Spiel noch die Frauen-Nationalmannschaft Neuseelands ein Spiel hat. Da diese auch den Haka-Tanz aufführen und Age noch keinen Haka-Tanz gesehen hat und Neuseeland nicht ohne Hakatanz verlassen möchte, wird mein erstes Rugby-Game, was ich live in einem Stadium sehen werde, ein Rugbygame einer Damenmannschaft sein. Ich bin gespannt!
Montag verlassen mich die beiden leider wieder Richtung Heimat, für micht gehts dann ab in den Norden zum Cape Reinga und zum 90-mile-beach und dann ist mein Aufenthalt in Neuseeland schon wieder fast vorbei und es geht Richtung Australien... Das halbe Jahr ist wie im Flug vergangen...

13.7.13 00:58, kommentieren

Die Herzchen auf der Pinnwand-Theorie

Nun habe ich geschafft! Nach 8 Wochen Blenheim (es waren eig 4-5, höchstens 6 Wochen geplant) mal harter mal entspannter Arbeit habe ich Blenheim mit eine Zwischenstopp zum Wale sehen in Kaikoura gen Nordinsel verlassen. In der letzten Arbeitswoche durfte ich sogar nochmal in den Genuss kommen den Supervisior für das Painting-Team zu geben, sodass meine Aufgaben nur in dem Auffüllen der Farbflaschen, das Verteilen der Painter auf die einzelnen Roads, das Einarbeiten, Helfen und Kontrollieren der neuen Painter und wohl das wichtigste als Gesprächpartner für gelangweilte Vorgesetzte dazu sein waren. Dementsprechend entspannt war die letzte Arbeitswoche und meine Vorgesetzten waren wohl sehr zufrieden mit mir, was sie mir in äußerst netten SMS deutlich gemacht haben.

Es ist an der Zeit meine Arbeitswochen nochmal Revue passieren zu lassen und ich muss sagen, dass ich sehr viel Glück hatte zu einem sehr entspannten Job gewechselt zu sein, nachdem ich und meine anderen Kollegen uns am Anfang wirklich den Arsch aufgerissen haben und nicht einmal Mindestlohn bekommen haben. Teils war die Arbeit zwar sehr langweilig und ich habe meinen MP3 Player bestimmt 20 mal rauf und runter gehört. Wenn man dann genug vom Musikhören hatte, gab es auch das ein oder andere Gespräch durch die Roads durch (dabei wird man zugegebener Maßen etwas langsamer) und es wurde viel gelacht, auch wenn ich manche Leute in die Weisglut getrieben habe, da ich auch mal dem Feierabend ein nettes Gespräch auf dem Vineyard vorgezogen habe und meine Mitfahrer mehr oder weniger verständnisvoll auf mich gewartet haben. Dabei gab es auch  mal interlektuelle Themen, aber auch widerum jede Menge Trashtalk, den ich wohl mit am besten beherrscht habe. Dabei gab es auch Theorien etc. über alles auf der Welt und um euch einen kleinen Einblick in unsere Gespräche zu geben, werde ich euch eine mit meiner Kollegin Magda entworfene und vollkommen ernstgemeinte Theorie nicht vorenthalten:

Die Herzchen auf der Pinnwand-Theorie
Stichwort Generation Facebook, die das übermäßige Nutzen von Herzchen ( <3) ) mitbeinhaltet. Aufgrund jahrerlanger Studien ist uns hierbei aufgefallen, dass einzelne Herzchen von platonischen Freunden, die auf der Pinnwand ohne einen Text geposted werden, keines Falls positiv aufzufassen sind, sondern als Mittel genutzt werden, um zu sagen: du weißt ja, dass ich dich lieb hab, aber ich hab Scheiße gebaut. Dabei hofft der Poster, dass möglichst viele Leute dieses Herzchen sehen und die andere Person in diesem Sinne ansprechen: ohh wie süß, ihr seid so gute Freunde! So lässt man dieses Herzchen kommentarlos einige Stunden auf der Pinnwand (dank Smartphones sehen es ja dann schon genug Leute), um dann die andere Person vorsichtig drauf anzusprechen. Vorsicht! Diese Vorgehensweise klappt nur bei weiblichen oder männlich/weiblichen Freundschaften, aber auf keinern Fall bei richtigen Männerfreundschaften!
Herzchen auf der Pinnwand des Partners haben nach unserer Theorie zu bedeuten: wir haben Streß, aber ich bin in einer Beziehung und zeig wenigstens nach außen, dass wir glücklich sind, um alle anderen neidisch zu machen. Eine Stufe über das Herzchen auf der Pinnwand ist ein willkürlich verschickter Blumenstrauß, da sollte man noch viel meher Acht geben.
Es gibt wohl auch Ausnahmen bei dieser Regel, aber sobald ihr ein Herzchen von mir auf der Pinnwand haben solltet (ich war noch nie in der Position dies zu machen, da seht ihr mal was für ein feiner Kerl ich bin), gebt Acht und freut euch nicht zu früh.

Nach einen Ausflug in den Trashtalk hoffe ich euch bald wieder spannendere Sachen erzählen zu können. Jetzt geht es erstmal wieder auf zum Reisen und ich hoffe, dass ich in meinem letzten knappen Monat noch ein bisschen was erlebe, bevor es nach Australien und dann wieder nach Deutschland geht... Die Zeit rennt!

1.7.13 10:21, kommentieren

Arbeit mach den Tag immer noch kaputt

Wie schön wäre Neuseeland nur ohne die Arbeit?! Eigentlich habe ich keinen Grund mich zu beschweren, da ich wohl den entspanntesten Job von allen aus meiner Wohnung habe, aber Arbeit ist nun mal Arbeit und wenn man sonst keinen Grund hat sich zu beschweren, sucht man sich halt einen...
In der letzten Woche hatten wir ein paar Tage von Bäume anmalen frei, da es nur genug Arbeit für die Festangestellten gab. Das passte ganz gut, da ich für 3 von den 5 Tagen Tagesjob-Angebote hatte, die ich natürlich annahm, um andere Erfahrugen zu sammeln. Einen Tag arbeitete ich auf einem Müllabfuhrwagen, ein Kindheitstraum ist in Erfüllung gegangen: ich wollte schon immer einmal hinten auf einem fahrenden LKW stehen und dem Fahrer Anweisungen geben. Dies tat ich die ersten zwei Stunden dann auch, bis ich dann auf einen anderen LKW gewechselt bin, auf dem ich während der Fahrt hinter dem Führerhaus den Müll recyclen sollte. Die größte Herausfordeurng hierbei war nicht, sich nicht vor dem Müll anwidern zu lassen, sondern die Fahrweise unseres Fahrers zu ertragen. Nach 8-9 Stunden Arbeit hatte ich den Arbeitstag dann auch überstanden und meine beiden Kollegen waren sogar sehr zufrieden mit mir.
An zwei anderen Tagen habe ich in einer Süßigkeiten-Fabrik am Fließband gearbeitet. Wir haben Schokolade mit Marshmellowfüllung hergestellt und verpackt. Mehr gibt es eigentlich auch nicht zu diesen Tagen zu sagen, außer dass Fließbandarbeit auf jeden Fall nicht zu meinen favortisierten Arbeiten gehört... Meine Kollegin an diesem Tag tat mir besonders leid, da ich kein Wort mit ihr geredet habe, weil ich den Großteil der Zeit Schokolade zählen musste und wer meine Multitaskingfähigkeiten kennt, weiß dass diese quasi nicht existieren.
Wie es beim Work und Traveln so ist, ist das Kennenlernen aber auch das Verabschieden von Leuten Bestandteil des Lebens. Das Kennenlernen fällt einem immer leichter und das einzig gute bei Verabschiedungen ist, dass man wieder einen Grund hat zu feiern. Da quasi jede Woche einer unsere Wohnung verlässt, hat man jede Woche einen Grund zu feiern, mal sind die Abschiedsfeiern in Ordnung, mal sind sie überragend, wie die letzten zwei Wochenenden. Vor zwei Wochen hat uns unser ManU-Ultra Age aus Norwegen verlassen, mit dem man jedes Wochenende eine Menge Spaß hatte und der mir ganz offiziell den Titel des großartigsten Menschen gegeben hat, mit dem er je getrunken hat. Letztes Wochenende hat uns Sevi dann verlassen, mit den ich ja vorher schon eine Woche gereist bin, jedoch treffen wir 3 uns nochmal am Ende unserer Reise in Auckland um ein Rugbyspiel live im Stadion zu sehen und den Trip nochmal zu feiern!


Heute haben wir einen Tag frei, da es zu nass zum Anmalen der Pflanzen ist. Ich jedoch glaube, dass das Karma übel mitgespielt hat. Heute sollte ich von einem anderen Auto als sonst zur Arbeit mitgenommen werden, jedoch war in diesem dann plötzlich doch kein Platz mehr, sodass ich etwas genervt Lennart anrief, der schon an Vineyard war. Also musste jemand den Weg wieder zurück fahren, um mich abzuholen. Ich wartete insgesamt eine halbe Stunde bis Lennart mich anrief und sagte, dass das Auto ohne mich wieder direkt zum Vineyard kommen kann, weil wir nicht arbeiten können... Somit ist unsere Fahrerin quasi 1 ½ Stunden umsonst rumgefahren, aber spätestens jetzt wissen sie wohl: einen Manuel Ihmels lässt man nicht warten!

19.6.13 00:21, kommentieren

Arbeit macht den Tag kaputt

Nach einer Woche und einem Tag Arbeit war es dann soweit. Jeder wusste, dass es kommen wird nur der Zeitpunkt war nicht bekannt: alle 10 Backpacker wurden gefeuert! Die Enttäuschung hielt sich aber in Grenzen (dies war leicht daran zu erkennen, da Ben einen spontanen Freudentanz vor Banana aufführte), da die Bezahlung für diesen Aufwand und diese harte Arbeit einfach nicht im Verhältnis zueinander standen. Dank Lennart hatten wir aber am nächsten Tag gleich einen neuen entspannteren Job auf einem anderen Weinberg. Dort müssen wir auf die abgeschnittenen Äste Farbe drauf schmieren, damit diese nicht wieder wachsen – danke dafür Lennart. Außer Arbeit erlebt man hier nicht viel, außer unsere komplette Wohnung geht am Wochenende mal wieder feiern, weil alle frei haben. Wir gehen zwar immer alle zusammen los, aber dann verteilt man sich auf die drei verschiedenen Clubs und am nächsten Tag berichtet dann jeder ausführlich von seiner Nacht und glaubt mir, da gibt es eine Menge zu berichten. Die schönste der Nächte/Morgen war aber defintiv die Nacht des Champions Leauge Finals. Um 5.30 Uhr stand ich morgens auf und stimmte mich mit Sevi (dem einzigen anderen Bayern-Supporter in der ganzen Bar) auf das Finale ein und nach dem Last-Minute-Ding von Robben gab es dann kein Halten mehr. Nach zwei erfolglosen Finals hat es endlich geklappt und nun muss ich wohl bei jedem Champions Leauge Finale nach Neuseeland fliegen, um das Spiel dann hier zu gucken, nur um auf Nummer sicher zu gehen. Wir haben nun ein paar Tage frei, sodass ich mich regenerieren kann und dann die nächsten 3 Wochen komplett durcharbeiten kann, danach will ich wieder reisen und so lang bleib ich dann auch gar nicht mehr hier...

1 Kommentar 2.6.13 07:41, kommentieren

1, 2, 3, 4

Ich kann es noch gar nicht richtig fassen, aber ich habe für die nächsten Woche Arbeit gefunden! Nachdem wird eigentlich letzte Woche mit Mais picken anfangen sollten, jedoch ein Unwetter die ganze Ernte des Bauern zerstörte, haben ich nun tatsächlich Arbeit auf einer Weinplantage gefunden. Nachdem der Wein vor einigen Wochen geerntet wurde, müssen nun die Weinpflanzen zurecht geschnitten werden (pruning) und teilweise vom Draht gerissen werden (stripping). Und dann habe ich auch noch mein Backpack wieder aber, alles der Reihe nach...


Am Montag machten wir uns hochmotiviert auf den Weg zum Vineyard, endlich Arbeit. Wir wussten nicht so wirklich was uns erwartet, aber als wir ankamen, hatte man das Gefühl, dass Pruning oder Stripping in Neuseeland mit Spargel stechen in Deutschland zu vergleichen ist, nur dass die Gastarbeiter nicht aus dem Ostblock, sondern aus Thailand kommen. Ein wohl festangesteller Thai ist dabei unser Supervisor (die wenigen Maoris, die dort arbeiten, haben ihn aufgrund seines schwierigen Thai-Namens Banana getauft), der uns mit anderen Thais auch erklärt hat, wie wir schneiden und reißen müssen. Dabei gab es nicht mehr Anweisungen als 1, 2, 3, 4, maybe 5 (aus gesprochen: one, tuu, tree, for, maybee five), da man soviele dickere Äste an der Weinpflanze lassen sollte. Kein Problem dachten wir und legten los. Kurz nachdem wir angefangen haben, merkten wir direkt, dass die Thais noch weitere 2 Wörter konnten: no good, no good! Teilweise wurden das no weggelassen, das ist dann aber schon so etwas wie ein Ritterschlag. Mehr als diese Worte kamen während der Arbeitszeit nicht raus. Als jedoch der erste Arbeitstag offiziell von Banana beendet wurde, nahm der vermummte Thai (auch bei 29 Grad tragen sie die ganze Zeit Masken, da sie Angst vor Hautkrebs haben), der mich zuvor auf gewohnt bestimmende (und vielleicht auch bisschen genervte) Art zu Recht wies, die Maske ab und fing tatsächlich eine super freundeliche Konversation mit mir an, zwar in sehr gebrochenem Englisch, aber auf jeden Fall so, dass man ihn verstand.

Die ersten drei Tage waren Einarbeitungstage, danach ging es richtig rund, denn nun wird man nicht mehr nach Stunden bezahlt, sondern nach geschnittenen Pflanzen. Nach 4 Stunden hatte ich 2 Gänge á 156 Pflanzen fertig geschnitten und freute mich schon auf die Abrechnung am Ende der Woche, ich hatte für einen Neuling ganz gut was geschafft. Mein englischer Mitbewohner Ben, der in 3 Stunden nur einen Gang geschafft hatte, winkte mir zu. Ich ging widerwillend (ich war ja gerade im Arbeitsrausch) zu ihm und er fragte mich: „Weißt du wie viel Geld du gerade gemacht hast?“ Ich: „Keine Ahnung, wie viel und woher weißt du das?“ Ben: „Banana hat mir gerade gesagt, dass ich in den letzten 3 Stunden 12 Dollar gemacht habe, du in 4 24.“. Die Freude auf meine Abrechnung hielt nicht lang...


2 kurze und 2 lange Gänge habe ich geschafft und dabei 712 Pflanzen geprunt und 32 gestrippt, 8 Stunden dafür gebraucht und 64 Dollar gemacht, umgerechneter Stundenlohn: 8 Dollar, Mindestlohn ist hier normalerweise um die 14 Dollar pro Stunde. Wir sind uns aber im Moment nicht ganz sicher, ob wir als Neulinge noch nach Stundenlohn bezahlt werden oder schon nach Pflanzen und Banana zu fragen, ergab nicht viel Sinn, da er uns nicht richtig verstand oder verstehen wollte. Auf dem Rückweg zur Wohnung gab es dann die üblichen Diskussionen über die Arbeit und Ben (ich habe wirklich noch nie mit einem zusammen gearbeitet, der seinen momentanen Job so doll hasst, wie er es gerade tut) ist der Meinung, dass die englische Regierung ihr Rechtsystem überdenken sollte und die Leute nicht mehr 25 Jahre einsperren sollte, sondern sie für 25 Jahre zum Prunen schicken sollte. Seine Gedankenspiele, wie er sich an diesem Tag vor der Arbeit drücken könnte, sind immer wieder kreativ und erheitern zumindest seine Mitfahrer, wie ernst sie gemeint sind, weiß ich leider nicht. Die Arbeit ist (auch wenn es sich vielleicht nicht so anhört) super anstrengend und abends fallen wir eigentlich nur tot ins Bett. Jedoch gibt es auch einige witzige Annekdoten, die man dort erlebt, ein paar wenige konntet ihr schon oben lesen. Mal gucken, wie lange uns der Farmer noch haben will bzw. wir bleiben wollen. ;-) Die besten Thais haben übrigens 5 kurze und 5 lange Gänge geschafft und ich bin mir sicher, dass Banana nochmal 5 lange drauf packen könnte, wenn er nicht am Organisieren wäre.


Nach 2 ½ Monaten habe ich nun auch endlich mein Backpack wieder, leider sind meine Schuhe und meine FlipFlops, die ich draußen an die Tasche gehangen habe weg, aber ansonsten ist der Backpack in einem super Zustand, was mich wirklich überrascht hat!

 



Jetzt wird erstmal das Wochenende genossen und am Montag geht es dann wieder los. Vielleicht werde ich am Wochenende auch das ein oder andere Glas Wein genießen, ich weiß ja nun, was für eine harte Arbeit dahinter steckt...


17.5.13 04:07, kommentieren