Keep calm and celebrate

Was ist new York ohne Sinrata, Wien ohne den Prater, eine Eiszeit ohne Schnee, England ohne Tee oder ein Backpacker ohne Backpack? Hat sich nicht jeder schon mal diese Fragen gestellt? Ich nicht, seit Freitag muss ich mich aber notgedrungen mit der Frage, was ist ein Backbacker ohne Backpack, beschäftigen. Aber alles der Reihe nach:

 

Meine letzte Volunteerwoche auf der Nordinsel begann unspektakulär. Nachdem ich die Wochen vorher unter der Leitung von John, einen sympathischen Weltenbummler mit einem unglaublichen Wissen über die neuseeländische und australische Kultur und Natur, meinen Dienst tat, hatte diesmal Ash die Ehre mit mir und meiner Gruppe zu arbeiten. Wir fuhren also zu unserem Projektort, der Ca. 2 1/2 Stunden von Auckland lag und fingen an zu weeden. Dieses Mal war es ein besonderes Weeding: wir wurden auserkoren am Donnerstag für das Fernsehen, einen Minister und andere vermeintlich wichtige Leute zu weeden, da 20 Millionen Euro in den nächsten 10 Jahren für Projekte zur Erhaltung von einheimischen Pflanzen gespendet wurden. An sich eine gute Sache, zu der sich die wichtigen Leute dann am Donnerstag im Dasein vom Fernsehen gegenseitig gratulieren und vor den Kameras weeden wollten. Als die Reden etc. beendet waren, stürmten die wichtigen Leute nach draußen und fingen wüst an zu weeden und die Kamera hielt voll drauf. Am Anfang war ich echt über das rasche Tempo, was sie an den Tag legten erstaunt. Leider hielten die Kameras dann nicht mehr drauf als wir in den geweedeten Bereichen die von den wichtigen Leuten platt getretenen einheimischen Pflanzen wieder aufrichten mussten. Einige von uns wurden sogar auch während der Arbeit im Fernsehen gezeigt, jedoch wurden hier wohl Leute ausgesucht die nicht ganz so genervt geblickt haben wie Grumpy oder ich, aber für 20 Millionen für die neuseeländische Naturerhaltung erträgt man dies auch. Hier is das Video: http://www.3news.co.nz/Fonterra-DoC-announce-20M-cleanup/tabid/369/articleID/289315/Default.aspx

Die restlichen Tage verbrachten wir neben dem Weeding und der Vorfreude auf Freitag, andem wir Auckland unsicher machen wollten, mit verschiedensten Aktivitäten. Es ging von eine gemütliche Runde Karten-Runde über das gemeinsame Kochen bis hin zur David Hasselhoff-Tent-Party, die die Engländer organisierten, da ja sie ja wissen, das David Hasselhoff in Deutschland mehr als ein Volksheld ist. Nachdem das David Hasselhoff Repertoir aufgebraucht war, durften wir uns noch an dem einzigen deutschen Lied erfreuen, welches sie Deutschland zuordnen konnten. Gern darf spekuliert werden welches es ist, die Auflösung gibt es nächste Woche.

Bevor es Freitag zur Feierei kommen konnte, mussten wir die letzte Hürde in Form der Rückfahrt nehmen. Diese war jedoch nicht so einfach wie man meint, da sich dort das Grauen eines jeden Backpackers abspielte: mein Backpack verabschiedete sich vom wohl nicht richtig verschlossenen Anhänger, sodass ich quasi ohne Klamotten darstehe. Meine Papiere hatte ich glücklicherweise am Mann und meinen Laptop im Office - ich alter Fuchs! Wie genau es nun weitergeht steht noch nicht fest, da wir erstmal noch auf den ehrlichen Finder hoffen, aber ich bin erstmal soweit ausgestattet (dank Inga sogar mit einem Schlafsack), dass ich überleben kann. Aber ein Gutes hat die Sache ja: nun weiß ich, dass eine Gepäckversicherung sinnvoll gewesen wäre.

Getreu des Mottos in meiner Überschrift ging es dann ins Wochenende, ich lasse mir ja nicht von so einem kleinen Missgeschick die Feierei versauen. Wir feierten als ob es kein Morgen mehr gäbe und leider gab es auch keinen gemeinsamen Morgen mehr, da sich nun auch die letzten 6 von insgesamt 9 aus meinem zweiwöchigen Projekt, die teilweise noch nachts geflogen sind, aus Neuseeland verabschiedeten! Ich möchte mich hier nochmal bei allen für die Wochen bedanken und bevor es Googletranslator falsch übersetzt (die nicht deutschsprachigen wollten auch mal in den Blog gucken):

Thank you guys! It was a great time and I'm proud and happy to know such amazing guys!

Where is Pete?!

Das Wochenende verbrachte ich dann in Okhaune. Es gibt ja genügend Orte, über die man sagt hier liegt der Hund begraben, aber in Okhaune liegt dann wohl der kleinste Hund begraben. Aber Lennart und ich trafen uns nicht in Okhaune, um das Dorfleben der Neuseeländer zu betrachten, sondern wir wollten mit dem Kanu auf den Whanganui-River mit einigen Stromschnellen, atemberaubenden Wasserfällen und einer super Landschaft. Leider hielt meine kleine Pechsträhne an: der Fluss hatte aufgrund des zu geringen Niederschlages ziemlichen Wassertiefstand, sodass es wirklich nur ein paar sehr wenige Stromschnellen gab und die Wasserfälle hatten eher die Ausmaße der Wassermassen, die das Ende einer Regenrinne verließen. Zu diesem Umstand kam dann leider noch, dass am Morgen des zweiten Tages der 3-tägigen Tour Lennarts Knie dicker und dicker wurde, sodass viele Leute (eingeschlossen mir) sich aufgefordert fühlten eine Diagnose abzugeben. Diese gingen in die verschiedensten Richtungen, doch ich als Kreuzbandexperte schloß ein Riss dieses aus, womit ich auch, anders als der Arzt bei meiner ersten Diagnose, Recht behielt: Lennart hatte mehrere kleinere Wunden am Bein, die sich entzündeten und die Entzündung zog nun ins Knie hoch.

 

 

Da war das Knie noch. Böse Zungen behaupten, die Krankheit kam von dem HSV-Trikot...

 

Doch nun gab es eine Schwierigkeit, der Kanutrip dauert eigentlich drei Tage lang und es gibt vorher auch keine einzige Straße an der wir abgeholt werden konnten. An Handy- oder Internetempfang war nicht zu denken, nur auf den Campingplätzen gab es Funk, jedoch hatten wir unseren schon verlassen und ein paar der wenigen Stromschnellen passiert, sodass es keinen Weg zurück gab. Da wir den Trip auf eigene Faust gebucht hatten, hatten wir auch keinen direkten Ansprechpartner, es gab zwar genügend andere Guidetouren, aber diese wollten wir erst nicht ansprechen (also habt keine Angst, es ist immer jemand in der Nähe der helfen kann ;-) ). Dazu kam, dass ich den zweiten Tag dann noch ein bisschen mehr reinhauen durfte, da Lennarts Kräfte verständlicherweise doch ein bisschen nachließen. Nach Ca. 25 km sahen wir dann endlich eine mögliche Rettung: ein leeres Jet-Boot. Alle, die sich nun auf ein Kurzschließen des Jet-Boots mit einer krassen Verfolgungsjagd auf dem Fluss gefreut haben, muss ich enttäuschen. Wo das Jet-Boot geparkt hat, war eine große Aussichtsplattform, auf die nicht nur Kanuten wollten sondern auch Menschen, die dem Wassersport nicht so zu getan waren, sodass dort ein Auflauf an Menschen war. Wir fragten also einen Guide, der in der Nacht zuvor mit einer Schulklasse auf dem gleichen Campingplatz wie wir nächtigte, wo die Jet-Boot-Besatzung hin ist. Nachdem wir ihm den Grund nannten, brauchten wir uns quasi um nichts mehr kümmern. Ein super Typ (und dazu wohl der Traum aller Schwiegermütter), der extra von den USA ins langweilige Okhaune gezogen ist, weil er den Wassersport so liebt. Nun wurden wir samt Kanu, unserer Ausrüstung und anderen Touristen per Jet-Boot zu einer befahrbaren Straße gebracht, dort aufgepickt und zurück nach Okhaune gefahren. Da das nächste Krankenhaus über 100 km weg war und der letzte Bus schon gefahren war, standen wir vor einem neuen Problem. Doch unser Kanuverleih, der sowohl Shuttleunternehmen sowie Autovermietung in Okhaune ist, hätte Lennart für 250 - 300 Dollar (je nach Wartezeit noch mehr) zum Krankenhaus gefahren. Ein Auto zu mieten, kostet mit Sprit aber nur etwa 130 Dollar und somit durfte ich das erste Mal in meinem Leben nicht nur in einem Land, wo Linksverkehr herrscht, fahren sondern auch das erste Mal vor einem Lenker eines Automatikautos sitzen. Ich habe es geschafft und sitze nun im Bus nach Wellington, von dort aus geht es dann morgen weiter nach Christchurch, wo dann am Freitag mein Projekt auf der Südinsel beginnt. Lennart musste erstmal im Krankenhaus bleiben. Gute Besserung auf diesem Weg an dich!

Wie man liest, ist immer etwas in Neuseeland los, aber die Leute sind hier sehr hilfsbereit, ohne dass man sie groß bitten muss. Selbst der verlorene Bagpack und der Kanustreß können einem hier wiederfahren, es überwiegt trotzdem das positive Gefühl in einem so wunderschönen Land zu sein! Und jetzt auf, alle sind gefragt: wer als erstes das deutsche Lied, welches Pete und Alex bekannt war, errät, kriegt eine Überraschung aus Neuseeland!

13.3.13 09:31

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bisher 6 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Havana (13.3.13 10:41)
Durch den Monsun


Klaus (13.3.13 10:55)
Also, ich gebe mal mehrere Tips für das deutsche Lied ab, obwohl ich nicht weiß, ob ich :

- Wind of change von den Scorpions (ok, ich sehe ein, das zählt vielleicht nicht als deutsches Lied)
- auf der Reeperbahn nachts um halb eins
- 99 Luftballons von Nena
- sah ein Knab ein Röslein stehen.......
- am Brunnen vor dem Tore
und was kriege ich jetzt?


Manu (13.3.13 20:00)
Regeländerung: jede Person darf nur einen Songtitel nennen... Ich dachte, das wär selbstverständlich, aber guter Versuch ;-)


Klaus (13.3.13 23:28)
Bei Regeländerung darf ich ja dann nochmal und sage "Currywurst" von Herbert Grönemeyer, der ist international, weil man ihn in keiner Sprache dieser Welt versteht. Was kriege ich denn nun?


leni (21.3.13 15:40)
ich glaub irgendwas aus dem rock bereich... aber da ich mich da nicht auskenne gehts leider nicht genauer...


Rapha (23.3.13 17:38)
Es war Moskau Okay... Wann kommt die Auflösung. Immer muss man hier warten :P

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