1, 2, 3, 4

Ich kann es noch gar nicht richtig fassen, aber ich habe für die nächsten Woche Arbeit gefunden! Nachdem wird eigentlich letzte Woche mit Mais picken anfangen sollten, jedoch ein Unwetter die ganze Ernte des Bauern zerstörte, haben ich nun tatsächlich Arbeit auf einer Weinplantage gefunden. Nachdem der Wein vor einigen Wochen geerntet wurde, müssen nun die Weinpflanzen zurecht geschnitten werden (pruning) und teilweise vom Draht gerissen werden (stripping). Und dann habe ich auch noch mein Backpack wieder aber, alles der Reihe nach...


Am Montag machten wir uns hochmotiviert auf den Weg zum Vineyard, endlich Arbeit. Wir wussten nicht so wirklich was uns erwartet, aber als wir ankamen, hatte man das Gefühl, dass Pruning oder Stripping in Neuseeland mit Spargel stechen in Deutschland zu vergleichen ist, nur dass die Gastarbeiter nicht aus dem Ostblock, sondern aus Thailand kommen. Ein wohl festangesteller Thai ist dabei unser Supervisor (die wenigen Maoris, die dort arbeiten, haben ihn aufgrund seines schwierigen Thai-Namens Banana getauft), der uns mit anderen Thais auch erklärt hat, wie wir schneiden und reißen müssen. Dabei gab es nicht mehr Anweisungen als 1, 2, 3, 4, maybe 5 (aus gesprochen: one, tuu, tree, for, maybee five), da man soviele dickere Äste an der Weinpflanze lassen sollte. Kein Problem dachten wir und legten los. Kurz nachdem wir angefangen haben, merkten wir direkt, dass die Thais noch weitere 2 Wörter konnten: no good, no good! Teilweise wurden das no weggelassen, das ist dann aber schon so etwas wie ein Ritterschlag. Mehr als diese Worte kamen während der Arbeitszeit nicht raus. Als jedoch der erste Arbeitstag offiziell von Banana beendet wurde, nahm der vermummte Thai (auch bei 29 Grad tragen sie die ganze Zeit Masken, da sie Angst vor Hautkrebs haben), der mich zuvor auf gewohnt bestimmende (und vielleicht auch bisschen genervte) Art zu Recht wies, die Maske ab und fing tatsächlich eine super freundeliche Konversation mit mir an, zwar in sehr gebrochenem Englisch, aber auf jeden Fall so, dass man ihn verstand.

Die ersten drei Tage waren Einarbeitungstage, danach ging es richtig rund, denn nun wird man nicht mehr nach Stunden bezahlt, sondern nach geschnittenen Pflanzen. Nach 4 Stunden hatte ich 2 Gänge á 156 Pflanzen fertig geschnitten und freute mich schon auf die Abrechnung am Ende der Woche, ich hatte für einen Neuling ganz gut was geschafft. Mein englischer Mitbewohner Ben, der in 3 Stunden nur einen Gang geschafft hatte, winkte mir zu. Ich ging widerwillend (ich war ja gerade im Arbeitsrausch) zu ihm und er fragte mich: „Weißt du wie viel Geld du gerade gemacht hast?“ Ich: „Keine Ahnung, wie viel und woher weißt du das?“ Ben: „Banana hat mir gerade gesagt, dass ich in den letzten 3 Stunden 12 Dollar gemacht habe, du in 4 24.“. Die Freude auf meine Abrechnung hielt nicht lang...


2 kurze und 2 lange Gänge habe ich geschafft und dabei 712 Pflanzen geprunt und 32 gestrippt, 8 Stunden dafür gebraucht und 64 Dollar gemacht, umgerechneter Stundenlohn: 8 Dollar, Mindestlohn ist hier normalerweise um die 14 Dollar pro Stunde. Wir sind uns aber im Moment nicht ganz sicher, ob wir als Neulinge noch nach Stundenlohn bezahlt werden oder schon nach Pflanzen und Banana zu fragen, ergab nicht viel Sinn, da er uns nicht richtig verstand oder verstehen wollte. Auf dem Rückweg zur Wohnung gab es dann die üblichen Diskussionen über die Arbeit und Ben (ich habe wirklich noch nie mit einem zusammen gearbeitet, der seinen momentanen Job so doll hasst, wie er es gerade tut) ist der Meinung, dass die englische Regierung ihr Rechtsystem überdenken sollte und die Leute nicht mehr 25 Jahre einsperren sollte, sondern sie für 25 Jahre zum Prunen schicken sollte. Seine Gedankenspiele, wie er sich an diesem Tag vor der Arbeit drücken könnte, sind immer wieder kreativ und erheitern zumindest seine Mitfahrer, wie ernst sie gemeint sind, weiß ich leider nicht. Die Arbeit ist (auch wenn es sich vielleicht nicht so anhört) super anstrengend und abends fallen wir eigentlich nur tot ins Bett. Jedoch gibt es auch einige witzige Annekdoten, die man dort erlebt, ein paar wenige konntet ihr schon oben lesen. Mal gucken, wie lange uns der Farmer noch haben will bzw. wir bleiben wollen. ;-) Die besten Thais haben übrigens 5 kurze und 5 lange Gänge geschafft und ich bin mir sicher, dass Banana nochmal 5 lange drauf packen könnte, wenn er nicht am Organisieren wäre.


Nach 2 ½ Monaten habe ich nun auch endlich mein Backpack wieder, leider sind meine Schuhe und meine FlipFlops, die ich draußen an die Tasche gehangen habe weg, aber ansonsten ist der Backpack in einem super Zustand, was mich wirklich überrascht hat!

 



Jetzt wird erstmal das Wochenende genossen und am Montag geht es dann wieder los. Vielleicht werde ich am Wochenende auch das ein oder andere Glas Wein genießen, ich weiß ja nun, was für eine harte Arbeit dahinter steckt...


17.5.13 04:07

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